Die Gründung des Vereins
von Wolfgang Kreischer
Anfang 1983 trafen sich der Herbeder Werner Rathay, Mitglied des Heimat- und Verkehrsvereins Herbede, und der Bommeraner Wolfgang Kreischer im ehemaligen Herbeder Rathaus und besprachen die Gründung eines Bommeraner Heimatvereins.
Auf dem Gelände der Zeche Nachtigall wurde am 5. Mai 1983 ein Fest veranstaltet. Hier stellte Werner Rathay am Ringofen ein Schild mit folgendem Inhalt auf: "Der Heimat- und Verkehrsverein Herbede unterstützt die Bommeraner bei der Bildung eines eigenständigen Heimatvereins. Wer die Sache unterstützen will, trage sich bitte hier ein." Wolfgang Kreischer und seine jetzige Frau, damals Christina Wolff, geb. Weißenfeld, verteilten den nachfolgenden Handzettel:
Sinn und Zweck des künftigen Bommeraner Heimatvereins
Der Bommeraner Heimatverein verfolgt insbesondere folgende Ziele:
- Zusammentragen historisch wertvoller Materialien für die Nachwelt, wie Urkunden, Bücher und Gegenstände
- Erhaltung des Bommeraner Brauchtums
- Aufhellung der Bommeraner Geschichte
- Kameradschaftliche Heimatpflege
- Enge Zusammenarbeit mit allen an der Geschichte interessierten Personen und Vereinen
Kontaktadresse:
Wolfgang Kreischer, Am Masling 43, 58456 Witten
Eine Unterstützerliste wurde ausgelegt, die am Abend 67 Eintragungen erhielt.
Ein Teil des Vorstandes 2002
Vom 17. bis 19. August 1984 feierte der Gesangsverein "Morgenrot" auf dem Nachtigallgelände ein Sommerfest. Der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Südliches Ruhrgebiet war mit einem Stand vertreten. In einer Nische des Ringofens haten sich auf Anregung Wolfgang Kreischers am Sonntagmorgen (19.8.1984) sechzehn Personen versammelt, um nunmehr den Heimatverein zu gründen: Gerhard und Marianne Frickmann, Pfarrer Helmut Gauer, Manfred Geldsetzer, Angelika Hirse-Venn, Inge von Keitz, Klaus von Keitz, Wolfgang Kreischer, Dieter Oberste-Berghaus (der mit W. Kreischer schon Vorgespräche geführt hatte), Professor Dr. Heinrich Schoppmeyer, Bruno J. Sobotka, Hans vom Sondern, Klaus Wiegand, Christina Wolff, heute Kreischer. Zu den Gründungsmitgliedern muss auch der am Gründungstag verhinderte Rektor Hans Ulrich Hake gerechnet werden. Man einigte sich auf folgenden Vorstand:
Vorsitzender: Hans Ulrich Hake
Stellvertreter: Wolfgang Kreischer und Manfred Geldsetzer
Schriftführerin: Christina Wolff
Stellvertreter: Klaus Wiegand
Kassiererin: Angelika Hirse-Venn
Stellvertreter: Dieter Oberste-Berghaus
Beisitzer: Professor Dr. Schoppmeyer, Pastor Gauer, Gerhard Frickmann, Bruno J. Sobotka, Hans vom Sondern.
Im Grüdungsprotokoll ist auch festgehalten, dass Oberbürgermeister Friedhelm Trepper als Erster dem neuen Verein gratulierte; er wünschte für die Zukunft alles Gute und sagte Unterstützung zu.
Wolfgang Kreischer (11/2003)
Wolfgang Kreischer, Hans Ulrich Hake
Die Ruhrbrücke, das Tor zu Bommern, kennt wohl jeder Wittener. Genauso bekannt ist, dass viele Bereiche jenseits des großen Flusses zur bevorzugten Wohnlage zählen. Doch wer kennt schon so genau die Histörchen und Geschichtchen, die zu erzählen sind, die oft im Verborgenen schlummern? Die Gegenwart baut immer auf der Vergangenheit auf und bereitet die Zukunft vor. Da liegt es doch nahe, zu erkunden und zu würdigen, wie und was unsere Ahnen für uns vorbereitet haben. Um einen Ortsteil und seine Geschichte näher kennen zu lernen, ist es - wie bei allen Dingen des Lebens - sinnvoll, mit Menschen zu sprechen, die sich, egal ob berufs- oder hobbymäßig, das erforderliche Hintergrundwissen angeeignet haben und fundierte Auskunft geben können.
Wir haben uns an den Vorsitzenden des "Heimat- und Geschichtsverein Bommern e.V.", Herrn Wolfgang Kreischer, gewandt und möchten auch zunächst diesen Verein vorstellen.
Unlängst hat es einen Vorstandswechsel gegeben. Hans Ulrich Hake, Rektor i.R., hatte seit Vereinsgründung den Vorsitz inne. Intelligent, umsichtig, mit sehr viel Sachkenntnis und Liebe zum Detail leitete er fast siebzehn Jahre vorbildhaft "seinen Verein". Aus gesundheitlichen Gründen übergab er jetzt den Vorsitz dem Vereinsgründer, Wolfgang Kreischer, der seinen Vorgänger postwendend zum Ehrenvorsitzenden ernannte.
Wolfgang Kreischer und Christina Wolff werben im Ringofen der ehemligen Ziegelei Dünkelberg auf dem Gelände der Zeche Nachtigall am 5. Mai 1983 für die Gründung eines Heimatvereins Bommern
An einem der unzähligen, ganz schrecklich verregneten Apriltage besuchen wir Wolfgang Kreischer auf seinem Anwesen in Bommerholz. Auch wenn die Wolken ununterbrochen zeigen, zu welch gigantischer Leistung sie fähig sind, bleibt die fantastische Alleinlage seines über 200 Jahre alten Hauses nicht verborgen und die Aussicht vom Wintergarten aus erinnert an Schwarzwaldlandschaft und Urlaubsträume.
Der Vereinsvorsitzende hat sich professionell vorbereitet, die wesentlichen Unterlagen zusammengestellt und gibt uns hinsichtlich des Vereins sehr informative Auskünfte.
Weitere Details entnahmen wir der Vereinszeitschrift "Bommeraner Blätter".
Der Beginn
Am 5. Mai 1983 wurde auf dem Gelände der Zeche Nachtigall gefeiert. Unterstützt vom Heimat- und Verkehrsverein Herbede legten Wolfgang Kreischer und seine jetzige Frau Christina (damals waren sie erst verliebt, noch nicht verheiratet) eine Liste aus mit der Aufforderung, dass sich darauf bitte diejenigen eintragen mögen, die die Bildung eines Bommeraner Heimatvereins unterstützen wollen. Noch am gleichen Abend konnten 67 Eintragungen gezählt werden. Ein bombastischer Erfolg! Inzwischen ist der Verein auf rund 250 Mitglieder angewachsen.
Die Ziele
- Zusammentragen historisch wertvoller Materialien für die Nachwelt, wie Urkunden, Bücher und Gegenstände
- Erhaltung des Bommeraner Brauchtums
- Aufhellung der Bommeraner Geschichte
- Kameradschaftliche Heimatpflege
- Enge Zusammenarbeit mit allen an der Geschichte interessierten Personen und Vereinen
Das Archiv
In den zurückliegenden Jahren gelang es, ein überwältigendes Archiv anzulegen. Helferinnen und Helfer waren un zählige "Eingeborene" und "Fremde", die dem Verein nach verschiedenen Aufrufen alte Bücher, Bilder, Zeitungsausschnitte, Jubiläumsschriften, Lagepläne, Dokumente usw. zur Verfügung stellten.
Nun nutzt es natürlich nichts, wenn sich nur Berge von Unterlagen ansammeln. Um sie auch sinnvoll nutzen zu können, müssen sie geordnet werden. Vereins-Mitglied Wilhelm Schöne, seines Zeichens Archivfachmann mit EDV-Kenntnissen, ist natürlich dafür prädestiniert, diese Arbeit fachmännisch zu übernehmen. Mithilfe eines extra für diesen Zweck eingerichteten Computer-Programms mit Datenbank lässt sich alles problemlos wiederfinden. Ein ganzes Team kümmert sich mit großer Sorgfalt um die alten und neuen Schätze.
Die Tätigkeitsfelder
Fotoausstellungen und Diavorträge auf den unterschiedlichen Ortsfesten gehören ebenso zu den Aufgaben wie die Unterstützung von Institutionen, Verbänden und anderen Vereinen, die die Zusammenarbeit mit dem Heimat-und Geschichtsverein Bommern gern in Anspruch nehmen. Großes Engagement in Sachen Denkmalschutz und Gespräche mit "alten" Bommeranern, die viel zur Geschichte des Stadtteils zu erzählen haben sowie die Erkundung der Siedlungsgeschichte Bommerns, von der wir auf den folgenden Seiten berichten, gehören zu den weiteren bedeutenden Arbeiten.
Ein derzeit in Angriff genommenes Projekt ist eine Gedenktafel mit den Namen aller im letzten Weltkrieg gefallenen Bommerholzer. Die feierliche Anbringung am Ehrenmal ist für Anfang August geplant.
Von gefährlichen Spielen und Versorgungsnöten
von Wolfgang Kreischer
Die Besatzungstruppen beschlagnahmten 1945 zahlreiche Häuser in der Friesen- und Sundernstraße. Ungefähr unterhalb der Umkleideräume des Sportplatzes Bommer-bank (jetzt Tennisplatz) war eine Abfallgrube ausgehoben. Hier wurden alle Essenreste von den Soldaten mit Benzin übergossen und verbrannt, so daß wir Kinder nichts davon nehmen konnten. Aber wir Halbwüchsigen fanden immer etwas Brauchbares, unter anderem eine Pistolenpatrone. Wir "Fachleute" hatten mittlerweile Depots mit Waffen, Zündschnüren usw. angelegt.
Einen Trommelrevolver hatten wir auch, und schon war die Idee geboren. Die Pistolenpatrone wurde mit einem Holzstück in die Trommel geschlagen und wir beschlossen, den Revolver nunmehr zu testen. In der Kastanienallee stellten wir uns im Halbkreis auf, in der Mitte stand der Pistolenschütze. Nach mehrmaligem Abdrücken gab es plötzlich einen Knall. Oh Schreck! Rechts vom Schützen fiel ein Junge um, ich weiß, wer es war! Wir rannten nach Hause und warteten auf die Polizei, die uns abholen und einsperren würde. Es geschah aber nichts. Nach Stunden kam mein Freund zu mir und wir gingen, um die Lage zu sondieren. Man glaubt es nicht, auf der Sundernstraße kam uns der getroffene Junge entgegen. Es war nichts passiert, ihm war nur die halbe Revolvertrommel vor den Bauch geflogen!
Mein Vater baute mit seinem Nachbarn neben dem ehemaligen Hühnerstall Tabak an, um etwas zum Rauchen für die Pfeife zu haben. Nach der Ernte wurden die Blätter gerollt und mit allerlei Säften behandelt, mit Mullbinden umwickelt und in Mutters Backofen getrocknet. Geraucht werden durfte aber nur auf der Toilette, weil das Kraut so erbärmlich stank, daß - wie man so sagt - die Fliegen von der Wand fielen.
Alle Menschen versuchten in den ersten Nachkriegsjahren, etwas zum Essen zu bekommen. Eines Tages hieß es, die Bäckerei Weischer habe Kornmehl bekommen und es gebe irgendwann Brot zu kaufen. Das war für meine Mutter das Signal, mich zur Bäckerei zu schicken, wo ich in der Warteschlange anstehen mußte. Die Schlange wuchs bis über die Sundernstraße zur Ludwigsstraße. Es wird erzählt, ein Junge, der seinen Anstellplatz nicht verlassen durfte, habe in seiner Not in die Einkaufstasche einer Frau gepinkelt. Als wir dann das Brot bekamen, stellten wir fest, daß es eine gelbe, weiche Masse mit harter Kruste war. Es schmeckte aber prima. Uns wurde erzählt, die Amerikaner hätten bei der Bestellung in Amerika irrtümlich Mais geliefert, weil sie das deutsche Wort für Getreide jeder Art "Korn" als das englische Wort für Mais "Corn" übersetzten. Dieses Gerücht war wahrscheinlich falsch, man wollte den Deutschen wohl einfach das billigste Getreide schicken.
Von 1945 -1947 gab es zu wenig Lebensmittel. Die Folge war das Entstehen von "Schwarzmärkten" und das Aufblühen der Hamsterfahrten in ländliche Gebiete. Meist wurde getauscht: Nähgarn gegen Tabak, Tabak gegen Speck und Kartoffeln usw. Die wenigen Züge waren immer überfüllt. Meine Eltern nahmen mich mit ins Münsterland. Dort angekommen, sollte ich zu einem Bauern gehen und um ein Butterbrot bitten. Meine Eltern gingen derweil ihren Hamstergeschäften nach. Ich traute mich zunächst nicht. Es wurde über Mittag und mein Hunger brachte mich dann doch dazu, zu einem Bauern zu gehen. Die Bäuerin kam wortlos auf mich zu und schaute mich nur an. Dann sagte sie: "Wie heißt du und wer und wo ist deine Mutter?" Es stellte sich dann heraus, daß die Bäuerin aus Ostpreußen stammte. Sie war eine weitläufige Kusine meiner Mutter, die etwa 1930 von stpreußen als Waise nach Witten kam. Die Bäuerin hatte mich am Gesicht als Verwandten erkannt. Aller Hunger hatte ab sofort ein Ende!